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Avenir Suisse: «Chance für Berggebiete»

Eine aktuelle Studie von Avenir Suisse beschäftigt sich eingehend mit dem Strukturwandel der Berggebiete. Grosses Potenzial sehen die Studienautoren in der Digitalisierung auf Basis von leistungsfähigen Glasfasernetzen.

«Strukturwandel im Schweizer Berggebiet» heisst die aktuelle Studie von Avenir Suisse. Die Chancen, die sich dank der Digitalisierung für Berggebiete eröffnen, beschrieben die Autoren auf S. 77 wie folgt:

«Der Megatrend Digitalisierung eröffnet dem Berggebiet vielfältige Chancen. Dazu zählt insbesondere die Telearbeit, denn dank E-Mail, Skype, Smartphone oder Internet kann man sich heutzutage weltweit in Arbeitsprozesse und Wertschöpfungsketten einklinken. Dies gilt nicht nur für die Backoffice-Zentren der Schweizer Banken in Osteuropa oder englischsprachige Callcenter in Indien. Ganze Berufsgruppen von Softwareprogrammierern bis zu Grafikern wirken zusehends ortsungebunden. Ihnen steht es somit frei, an Standorten mit hohem Freizeitwert oder niedrigen Lebenshaltungskosten zu arbeiten – häufig auch temporär. Mit diesen Qualitäten kann das Schweizer Berggebiet punkten, zumal es (im internationalen Massstab) verkehrstechnisch relativ gut angebunden ist an die Wirtschaftszentren des Schweizer Mittellandes mit ihrer hohen Dichte an Hightech- und Dienstleistungsarbeitsplätzen. Gute Voraussetzungen also, um von dieser Entwicklung zu profitieren.
Ein besonders innovatives Projekt gibt es diesbezüglich im Unterengadin unter dem Titel «mia Engiadina – your first third place». Ziel der Initiative – die von namhaften Firmen unterstützt wird – ist es, digitalen Arbeitsnomaden in leerstehenden Gebäuden, wie ehemaligen Gemeindehäusern oder Hotels, Co-Working-Spaces mit entsprechender Infrastruktur bereitzustellen – sogenannte «Mountain Hubs». Diese gemeinschaftlichen Arbeitsplätze auf Zeit sollen zu einem «dritten Ort» zwischen dem normalen Arbeits- und Wohnort werden. Hier sollen Arbeit und Freizeit in einer anregenden Umgebung mit hohem Freizeitwert miteinander verschmelzen. Anfang 2016 wurde dieses Konzept für einen Monat am Internat Hochalpines Institut Ftan mit 180 Teilnehmern getestet. Zum Rahmenprogramm zählten dabei Yogakurse, Fondueabende und Skiwochenenden. Die bereitgestellte Infrastruktur umfasste Hotel-/Internatszimmer zur Übernachtung, schnelle W-Lan-Verbindungen und Elektrofahrzeuge für den Transport der Teilnehmer. Sollte dieses Modell Erfolg haben, könnte es auch in andere Randregionen der Schweizer Berge exportiert werden – unter Umständen gar im Rahmen eines Lizenzsystems.
Im Berggebiet gibt es viele kleine Anbieter hochwertiger Regionalprodukte, meist Lebensmittel oder handwerkliche Erzeugnisse. Ein entscheidendes Wachstumshemmnis für sie sind fehlende Vertriebskanäle, denn ein Grossteil der zahlungskräftigen Kunden lebt in den Agglomerationen des Mittellandes und hat nur sporadisch in den Ferien oder auf Wochenmärkten die Gelegenheit zum Kauf dieser Waren. In den letzten Jahren haben sich die Bergproduktlinien von Coop («Pro Montana») und Migros («Heidi») zu wichtigen Werbe- und Vertriebskanälen entwickelt. Sie unterstützen auch Produzenten bei der Geschäftsentwicklung, insbesondere Coop über «Patenschaften für Berggebiete» mit jährlich etwa 6 Mio. Fr. Zudem gibt es inzwischen einige kleinere Online-Händler für regionale Produkte. Von diesen Marketing- und Vertriebskanälen profitiert jedoch nur ein kleiner Teil der Anbieter. Was bislang fehlt, ist eine zentrale Online-Plattform mit einem breiten Angebot und den dazugehörigen Dienstleistungen, insbesondere (1) Informationen zu den Produkten und Produzenten, (2) einem Online-Shop mit benutzerfreundlichen Bestell- und Bezahlfunktionen und vor allem (3) einem dahinterstehenden Vertriebsnetz. Ein mögliches Vorbild für die ersten beiden Funktionen könnte das Online-Versandhaus Manufactum sein, das traditionell gefertigte Produkte verschiedener Hersteller anbietet und zu diesen redaktionell aufgearbeitete Hintergrundinformationen präsentiert.»

Download der Studie