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Breite Kritik an Fibre to the Street (FTTS)

Die Swisscom verlegt vor allem in kleinen Gemeinden Glasfasern nicht bis direkt in die Gebäude, sondern nur bis in die Strassen oder zu den Gebäuden. Dagegen formiert sich nun breiter Widerstand.

Sie wolle im Kanton Freiburg nicht weiter in das Modell Fibre to the Home (FTTH) investieren, liess neulich die Swisscom verlauten. Sie setze vielmehr auf alternative Technologien wie FTTB und FTTS. Das B steht für Building, das S für Street. Es werden somit nicht mehr die einzelnen Haushalte, sondern je nachdem Strassenzüge oder Häuser erschlossen. Die letzte Meile läuft dann weiter auf dem herkömmlichen Kupferkabel. Dies hat auch regulatorische Konsequenzen. Die Swisscom verfügt auf dem Kupferkabel quasi über das Monopol und muss keinen Dritten den Zugang gewähren. FTTS beschränkt somit die Wahlfreiheit für Endkunden und den freien Wettbewerb, was aus Sicht von openaxs besonders stossend ist. Es droht eine Re-Monopolisierung des Glasfasermarktes.

Die neue Politik der Swisscom macht sich auch anderorts bemerkbar. Und stösst immer mehr auf Widerstand. Beispielsweise im Kanton Zürich. Die Swisscom hat in den Gemeinden in Elgg, Hagenbuch und Hofstetten mit FTTS erschlossen. Die Swisscom erstellt sogenannte Knotenpunkte aus Glasfaser. Von dort aus fliessen die Daten durch Kupferkabel die letzten zweihundert Meter in die Wohnungen. Für Martina Lattmann, lokale Politikerin und Informatikexpertin, ist ein solches Breitbandnetz zu wenig leistungsfähig. Vor etwas mehr als einem Jahr gründete sie die Facebook-Gruppe «Elgg ans Netz», in der sie «Internettechnologien in der Gemeinde Elgg» fördern will. 50 Leute folgen der Gruppe. Lattmann sagt: «FTTS ist nicht zukunftsfähig, da man eine veraltete Kupfertechnologie länger am Leben erhalten möchte, primär aus Kostengründen.» Man gaukle der Bevölkerung einen Breitbandausbau vor, während in Winterthur oder Zürich der Ausbau von FTTH fast abgeschlossen sei. «Die Gemeinden auf dem Land verlieren somit weiter an Attraktivität und werden das Gewerbe, das auf eine schnelle Internetanbindung angewiesen ist, in andere Regionen vertreiben.»

Ähnlich sieht das Fredy Künzler, Geschäftsführer des Internetanbieters Init7 und Mitglied des Grossen Gemeinderats in Winterthur: «Ich glaube, dass in ein paar Jahren alle Gemeinden ohne FTTH einen Standortnachteil haben werden.» Mit dem Entscheid für FTTS «zementiere» man eine «uralte Kupfertechnologie». Er sieht vor allem im Bereich von «Home Office» oder sogenannten Cloud-Anwendungen in Zukunft einen Nachteil bei schlechten Internetverbindungen. Den Vorteil des FTTS, das nun in Elgg, Hofstetten und Hagenbuch eingeführt wird, schätzt Künzler als gering ein: «Es ist ein aufgemotztes DSL.» Die Swisscom denke sehr kurzfristig, weil für sie nur der schnelle Profit relevant sei. «Vor hundert Jahren hat man auch nicht gesagt, dass gewisse Gebiete nicht mit Strom versorgt werden sollen, nur weil es für die paar Leute nicht rentiert.» Heute sollte man laut Künzler bezüglich dem Glasfasernetz gleich handeln wie damals. Dass vor allem wirtschaftliche Überlegungen hinter dem eingeschränkten Ausbau stecken, bestätigt auch Swisscom-Sprecher Armin Schädeli, der einen «wirtschaftlich sinnvollen Ausbau» als Ziel der Planung nennt.

Dass die Glasfaser in Kürze abgelöst wird und sich deshalb eine Investition nicht lohnen würde, schlägt Künzler in den Wind: «In unserem Leben werden wir kein alternatives Medium zur Glasfaser mehr erleben. Das kann ich mit Garantie sagen.» Auch Geschäftsführer Stefan Suremann vom Winterthurer Ingenieurbüro Strukturwerk GmbH, der die Gemeinden bei dem Breitbandausbau beraten hat, sagt: «Alle Experten sind sich einig, dass die einzig nachhaltige Technologie Glasfaser ist, die bis in die Liegenschaften gezogen wird.»

Quellen: Der Landbote / montagna