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Per Knopf findet die Post zum «Internet der Dinge»

Die Schweizerische Post kämpft mit rückläufigen Briefmengen, Margendruck im Pakethandel und tiefen Zinsen. Gleichzeitig gilt sie eher als bedächtig. Wie will sie mit dem digitalen Wandel Schritt halten? Einblicke gibt Stefan Metzger, Post-Programmleiter Smart City & Internet of Things (IoT).

Amazon ist ein Unternehmen, welches die Wirtschaft verändert. Der stationäre Handel hat diese Erfahrung schon hinter sich. Auf schmerzvolle Weise. Doch auch die Logistik will Amazon aufmischen, beispielsweise mit der Ankündigung, fliegende Lagerhäuser zu bauen, sogenannte Zeppeline, und die Produkte per Drohnenschwarm ausliefern zu lassen. Das soll zugleich ökonomischer und ökologischer sein als das bisherige Zusammenspiel von Detailhandel und Logistik.
Solche Zukunftsvisionen könnten ein traditionelles Unternehmen wie die Schweizerische Post einschüchtern. Tun sie aber nicht, wie Stefan Metzger an der 7. openaxs FTTH Conference versicherte. Der Digitalisierung begegne die Schweizerische Post auf typisch schweizerische Art: nämlich pragmatisch. Mit möglichst einfachen Anwendungen und Kooperationen.

Bei der Funkkommunikation für das «Internet der Dinge» arbeitet die Post mit der Swisscom zusammen. Die beiden Partner setzen für die Datenübertragung auf ein gemeinsames Low Power Network (LPN). Die Post stellt der Swisscom geeignete Standorte für die geplanten rund 200 zusätzlichen Empfangsstationen zur Verfügung. Ende 2017 sollen bereits 90% der Schweizer Bevölkerung erreicht werden. Im Gegenzug kann die Post das Netz, das die Swisscom professionell betreibt, für ihre eigenen Anwendungsfälle nutzen. So kann sie sich voll und ganz auf die Entwicklung neuer und die Weiterentwicklung bestehender Anwendungen konzentrieren.
Erfahrungen mit LPN-Anwendungen sammelt die Post seit Frühling 2016. Dabei folgte sie dem Grundsatz: Die Anwendung muss möglichst einfach sein. Und greifbar. «Sucht man von Anfang an nach der Super-Lösung, wird man scheitern», sagt Metzger.
Die wohl einfachste und gleichzeitig greifbarste Anwendung fand er mit seinem Team in einem simplen Knopf. Am Post-Hauptsitz hat das Facility-Management überall im Gebäude sogenannte SmartButtons platziert. Muss beispielsweise etwas gereinigt werden oder ist eine Kaffeemaschine defekt, kann mit einem simplen Knopfdruck das Servicepersonal aufgeboten werden.

«Mit einem Knopfdruck sparen wir bis zu 10 Telefonanrufe», sagt Metzger. «Die Investitionen sind also schnell amortisiert.» Und das Potenzial für weitere Anwendungen ist gross. Für die Logistik eines Spitals hat die Post Medizinalgüterschränke mit SmartButtons versehen, die eine Nachbestellung eines bestimmten Produkts auslösen können, wenn der Bestand zur Neige geht.

«Die Post ist stark in der Logistik, und in diesem Bereich hat die Vernetzung einzelner Objekte sehr viel Potenzial», sagt Metzger. Er nennt als Beispiel den Paketversand: Die Post liefert ein Paket mit verderblicher Ware aus, die Lieferung muss schnell gehen und der Inhalt muss schön kühl bleiben. Der integrierte Sensor im Paket überwacht die Temperatur und sendet ein Warnsignal, falls die Temperatur überschritten wird. Oder die Postfahrzeuge, die überall unterwegs sind: Sie können über Sensoren Daten zur Luftqualität oder zur Pollenbelastung sammeln, quasi nebenher, und diese dann an die zuständigen Stellen zur Analyse weiterleiten.

Die Post geht somit ähnlich vor wie die Stadt St. Gallen. Mit vielen Experimenten will sie sich der digitalen Zukunft nähern. Um den zuverlässigen Ruf ihrer Kernmarke nicht zu beschädigen, hat sie für digitale Anwendungen und Produkte ein eigenes Label geschaffen: «Early». Ein solches Label könnte auch für die als ebenso zuverlässig geltenden Energieversorger ein Experiment wert sein.