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«It’s the social, stupid!»

Auf die Frage, was ihn in den Referaten der FTTH Conference besonders beeindruckt habe, sagte openaxs-Präsident Franz Stampfli: «Dass das Soziale im Vordergrund steht.» Die digitale Zukunft erfordert Vertrauen, Partizipation, Wertschätzung. Sonst wird sie scheitern.

«It’s the economy, stupid!» Mit diesem Wahlkampf-Slogan gewann Bill Clinton 1992 die US-Präsidentschaftswahlen. Er sagte damit: Die Wirtschaftslage entscheidet Wahlen, und nicht nur die politischen Verhältnisse.
In Analogie dazu könnte man in Hinblick auf die digitale Zukunft sagen: «It’s the social, stupid!» Das Soziale entscheidet über Erfolg oder Misserfolg neuer Geschäftsmodelle und Anwendungen. Und nicht nur die Technik.

Beispiel Partizipation: Menschen muss man in digitale Entwicklungen integrieren, damit sie ihre Bedürfnisse einbringen können. Im deutschen Ulm hat die Stadt ihre Bürgerinnen und Bürger gefragt: «Wie soll die digitale Stadt Ulm im Jahr 2030 aussehen?» Mit dieser Frage hat sie ein breites Beteiligungsverfahren ausgelöst. Unzählige Ideen wurden eingebracht, die nun von einem Fachgremium gefiltert werden. In einem zweiten Schritt will die Stadt gemeinsam mit der Bevölkerung entscheiden, welche Ideen umgesetzt werden. Auch die lokale Wirtschaft setzt auf Partizipation. Das Unternehmernetzwerk ulm-digital.com fördert digitale Ideen und Talente. Dazu hat es unter anderem ein physisches Expertimentierfeld geschaffen, «eine Art digitaler Bolzplatz», wie Christian Geiger, Zentrale Steuerung/Team IT Stadt Ulm, sagt: Das «Verschwörhaus» als Ort für Zusammenarbeit, Vernetzung und Innovationsförderung im ehemaligen Gebäude der Sparkasse.

Beispiel Vertrauen: «Vieles, was mit einer Smart City zu tun hat, findet im Verborgenen statt», sagte Chirine Etezadzadeh, Institutsleiterin SmartCity.institute, Stuttgart: «Daten werden erhoben, Daten werden vernetzt, Daten werden ausgewertet, ohne dass wir etwas davon mitbekommen.» Deshalb sei Vertrauen eine entscheidende Ressource in der Smart City, was die Stadtwerke dazu prädestiniere, die Smart-City-Manager der Zukunft zu sein. Etezadzadeh sagt: «Energieversorger stehen zu den Bürgerinnen und Bürgern in langjährigen Kundenbeziehungen. Sie stehen für Sicherheit und regionale Verantwortung.» Und sie schliesst die rhetorische Frage an: «Wem vertraue ich freiwillig meine Daten an? Google? Oder doch eher einem Stadtwerk, welches aufgrund seiner Eigentumsverhältnisse unter demokratischer Kontrolle steht?»

Beispiel Wertschätzung: Benjamin Buhl, geschäftsführender Gesellschafter der netzvitamine GmbH, stellt fest: «Digitalisierung hat heute für viele Menschen einen schalen Beigeschmack. Wenn uns Technologie stresst, verwirrt oder verunsichert, dann läuft etwas falsch.» Er fordert deshalb für die Entwicklung einer Smart City vor allem «emotionale Aufmerksamkeit». Diese zeige sich durch Wertschätzung gegenüber Bürgerinnen und Bürgern, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Denn, so Buhl: «Datenbanken lächeln nicht!» Das müssen auch in Zukunft noch die Menschen tun, die sie bedienen.