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«Der Entscheid der Swisscom hat uns enttäuscht»

Interview mit Frédéric Mauron, CEO der ftth fr AG (Fiber To The Home) – ein Gemeinschaftsunternehmen von Groupe E AG, Staat Freiburg, Gruyère Energie SA und IB-Murten.

Im Juni 2016 informierte Swisscom ftth fr über ihre Umstellung auf eine andere Technologie und die vorzeitige Beendigung der Zusammenarbeit beim Ausbau des FTTH-Glasfasernetzes zum 31. Dezember 2016. War das ein Schock für die ftth fr?
Frédéric Mauron: In der Vergangenheit haben wir bereits mit Swisscom über die FTTS-Technologie diskutiert. Wir wussten, dass diese ein wesentlicher Teil ihrer Strategie war. Trotzdem waren wir sehr überrascht und auch enttäuscht, als Swisscom sich entschieden hat, das Freiburger Projekt aufzugeben, trotz ihres nur vier Jahre zuvor eingegangenen Engagements für den Kanton Freiburg, dieses Netzwerk sowohl in den Städten als auch auf dem Land aufzubauen.

Hat ftth fr nie in Erwägung gezogen, wie Swisscom auf eine weniger leistungsstarke Netztechnologie umzusteigen?
Mauron: Nein, auf keinen Fall. Einerseits würde es gegen den Auftrag verstossen, den wir vom Kanton Freiburg erhalten haben. Andererseits ist die Glasfaser bis in die Wohnungen und Geschäfte (Fiber-to-the-Home, FTTH) die einzige Technologie, die eine nahezu unbegrenzte Bandbreite mit einem sehr hohen Grad an Zuverlässigkeit garantieren kann, unabhängig von der Länge der Zugangsleitung. Die Leistung eines hybriden Glasfaser- und Kupferkabelnetzwerks wie FTTS wird immer noch durch die Länge des verbleibenden Kupferkabels begrenzt. Wir sind davon überzeugt, dass früher oder später diese hybriden Technologien an ihre Grenzen stossen und ein Übergang zu FTTH unvermeidlich sein wird. Auf lange Sicht wird jede Investition in Übergangstechnologien nur die Gesamtkosten erhöhen.

Wie schaffen Sie es, das flächendeckende Glasfasernetz im Kanton Freiburg auch ohne Swisscom weiterzubauen?
Mauron: Wir haben unsere Aufbaustrategie geändert, von der wir die Einzelheiten natürlich nicht preisgeben können. Einer der wichtigsten Punkte ist, dass wir uns jetzt darauf konzentrieren, jene Regionen zu verbinden, in denen der Bedarf wegen unzureichender Telekommunikationsdienste heute am grössten ist.

Viele Kabelnetzbetreiber lehnen eine Migration auf die Glasfaser ab, weil sie diese als zu teuer erachten. ftth fr arbeitet mit Netplus zusammen. Welches sind Ihre Erfahrungen?
Mauron: Unser Partner net+FR ist kein Kabelnetzbetreiber, sondern ein Dienstanbieter, der seine Produkte über mehrere Infrastrukturen verteilt: das FTTH-Netzwerk von ftth fr, das Kabelnetz von Gruyère Energie und das DSL-Netz von Swisscom. Übrigens hat die Migration von Kabelnetzen zu Glasfasern schon vor vielen Jahren begonnen. Heute sind praktisch alle Kabelnetzwerke eigentlich FTTS-Netze. Der Kern des Netzwerks und die Hauptverteilung bestehen aus Glasfasern, die letzten zehn oder hundert Meter sind Koaxialkabel. net+FR wird weiterhin die drei zur Verfügung stehenden Infrastrukturen nutzen, solange diese die Bedürfnisse der Kunden erfüllen. Parallel dazu wird ftth fr sein FTTH-Netzwerk erweitern, bis schliesslich der gesamte Kanton Freiburg ausgestattet ist.

Sind die Kunden zufrieden mit dem Angebot von Netplus?
Mauron: Ja, die Kunden sind sehr zufrieden. Dies spiegelt sich auch in den Ergebnissen des Bilanz-Telekom-Ratings wider. Netplus wurde im Jahr 2017 zum dritten Mal in Folge als bester Internetbetreiber der Schweiz ausgezeichnet.

Sie sind neu im Vorstand von openaxs. Warum ist der Verband wichtig für ftth fr?
Mauron: Weil openaxs eine Schlüsselrolle spielt bei der Förderung von FTTH-Netzwerken in der Schweiz. ftth fr baut und betreibt ein kantonales FTTH-Netz, das mit 150´000 Anschlüssen eines der wichtigsten Projekte in der Schweiz in diesem Bereich ist. Die Zusammenarbeit zwischen openaxs und ftth fr ist entscheidend, damit wir unsere gemeinsamen Ziele erreichen: eine effiziente und rationelle Digitalisierung vorantreiben, die Wettbewerbsfähigkeit stärken und das Wirtschaftswachstum fördern. Dies im Kanton Freiburg und in der ganzen Schweiz!

Was wünschen Sie sich von openaxs für die Zukunft?
Mauron: Fortsetzung und Intensivierung der Arbeit auf politischer und regulatorischer Ebene, Gewährleistung eines effektiven Informationsaustauschs zwischen seinen Mitgliedern und verschiedenen Beteiligten, sowie weiterhin die Förderung einer offenen und zukunftsweisenden FTTH-Infrastruktur.