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Zweiklassengesellschaft im Linthgebiet

Wie der digitale Graben in der Schweiz aussieht, lässt sich auf engstem Raum im Linthgebiet nachvollziehen, zwischen dem Zürichsee und dem Walensee. In einigen Gemeinden lässt es sich deutlich zügiger surfen als in Nachbarsgemeinden.

Verlierer-Gemeinden
In Rapperswil-Jona, dem Hauptort im Linthgebiet, gab es vor mehreren Jahren eine Arbeitsgruppe, die sich mit dem Thema Glasfasernetz befasste. Diese kam damals zum Schluss, dass die Kosten für ein durchgehend reines Glasfasernetz zu hoch wären. «Es handelte sich um einen zweistelligen Millionenbetrag», erinnert sich Mario Göldi, IT-Verantwortlicher der Stadt.

Deshalb ist Rapperswil-Jona bis heute auf das leistungsschwache Swisscom-Angebot angewiesen. «Zurzeit verfügen rund 98 Prozent aller Kunden in der Stadt über eine Internetverbindung mit 10 Mbit/s», sagt Swisscom-Sprecher Schädeli. Immerhin 73 Prozent könnten bereits mit 50 Mbit/s im Internet surfen.
Nun plant Swisscom einen Ausbau auf 80 Mbit/s innert drei Jahren. Damit seien Kunden schon recht schnell unterwegs, findet der Swisscom-Sprecher. «Das reicht, um auf Swisscom TV Filme zu schauen, Dateien hochzuladen und gleichzeitig online zu gamen.»
Swisscom plant bei diesem Ausbau keine reinen Glasfasernetze, sondern Hybridnetze nach sogenannter FTTS- oder FTTC-Methode. Dabei übernehmen bestehende Kupferkabel die letzten Meter zwischen Glasfaserverteilerkasten im Quartier und Wohnung. Dieser Kompromiss verlangsamt die Datenübertragung erheblich. Eine reine Glasfaserleitung würde locker die zehnfache Geschwindigkeit bieten.
In den Gemeinden Schänis und Kaltbrunn hat Swisscom ein Glasfasernetz ebenfalls lediglich in Hybridtechnik realisiert. Und auch in Weesen, Schmerikon und Amden plant Swisscom bis 2021 solche hybriden Glasfasernetze.

Gewinner-Gemeinden
Dass es schneller geht, beweist die Swisscom in Uznach. Sie baut dort ein reines Glasfasernetz mit 1024 Mbit/s. Nicht ganz freiwillig, sondern weil dort die St. Gallisch-Appenzellerische Kraftwerke AG in den Netzbau eingestiegen ist. Mit demselben Partner plant die Swisscom auch für den Grossteil von Gommiswald und Eschenbach ein reines Glasfasernetz mit 1024 Mbit/s.
Einen dritten Weg schlug die Gemeinde Benken ein. Sie hätte eigentlich zu den Verlierer-Gemeinden gehört. Swisscom hatte kein Interesse daran, ihr bestehendes Netz in Benken komplett auf Glasfaser zu modernisieren. Doch damit wollte sich die Gemeinde nicht zufriedengeben. Nun verlegt sie in Zusammenarbeit mit dem gemeindeeigenen Elektrizitätswerk ein eigenes FTTH-Netz, ebenfalls mit 1024 Mbit/s.

Quelle: Südostschweiz