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openaxs FTTH Conference: Jon Ernis Vision

«Dank der Digitalisierung wird es keine Randregionen mehr geben!»

Von Jon Erni, Präsident von Mia Engiadina und Mitglied der Geschäftsleitung von Microsoft Schweiz

Die Digitalisierung ist eine riesige Chance für Randregionen. Der Nachteil der geografischen Lage kann weitgehend kompensiert werden, wenn die Regionen Modelle entwickeln, die die Vorteile der Digitalisierung nutzen. Dank der Digitalisierung wird es in Zukunft keine Randregionen mehr geben!
Mittelfristig steht und fällt das Vorhaben aber mit der Bandbreite, mit welcher Private und Firmen auf das weltweite Datennetz zugreifen können. Investitionen in Glasfaseranschlüsse bis ins Haus (FTTH) sind eine zwingende Voraussetzung, um alle Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen zu können.

Da das technische Wissen in den Randregionen oft fehlt, müssen zudem IT-Unternehmen gewonnen werden, welche das Know-how in diese Regionen bringen. Mit sogenannten «Mountain Hubs» wird vorwiegend in bestehenden Gebäuden die bauliche Infrastruktur geschaffen, welche das Zusammentreffen von kompetenten IT-Experten aus den Agglomerationen mit den lokalen KMUs ermöglicht.

Die dritte Komponente, welche für den Erfolg massgebend ist, ist ein virtueller Marktplatz, auf welchem – ähnlich wie in einem App-Store – die KMUs der Region ihre Angebote platzieren können. Einerseits wird damit der lokale Markt belebt, anderseits können auf diesem Weg einfach neue Märkte erschlossen werden.
Ohne Marketing bleibt aber jede noch so gute Idee unbekannt und wird nur von wenigen Leuten genutzt. Darum ist es unumgänglich, dass eine starke Marke aufgebaut wird, um möglichst viele Kunden zu erreichen.

Schneller Internetzugang als Basis für die Digitalisierung

Um das Engadin bereit für die digitale Revolution zu machen, soll ein Glasfasernetz gebaut werden. Damit wird die Übertragungsgeschwindigkeit von heute 50 MBit/s (im Optimalfall) auf das x-Fache erhöht und diese zu gleichen oder tieferen Preisen den Kunden angeboten. In den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren sollen alle Gemeinden von La Punt-Chamues-ch bis Samnaun mit Glasfasertechnologie bis ins Haus (FTTH) erschlossen werden.
Da dieser Ausbau sehr kostspielig ist, werden nur Nutzer angeschlossen, welche den Service auch nutzen. Zudem startet der Rollout in jenen Gemeinden, in denen die Leerrohr-Infrastruktur einen schnellen Ausbau zu tiefen Kosten ermöglicht. Dies ist in den Gemeinden Zuoz, S-chanf, Scuol, Ftan und Samnaun der Fall. Dank Synergien mit anderen Bauprojekten (z.B. Strassenbau, Kanalisationserneuerung, Stromnetzsanierung) können die Erschliessungskosten tief gehalten werden.

Mountain Hubs als Treffpunkt

In diversen vorhandenen Gebäuden werden Büroräumlichkeiten eingerichtet und als geteilte Infrastruktur an lokale KMUs wie auch an Firmen aus anderen Regionen zur Verfügung gestellt. Die Einrichtungen sind auf dem neusten Stand der Wissenschaft, was neue Arbeitsformen anbelangt. Sie ermöglichen, dass lokale KMUs sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können. Die IT-Dienste werden im Mietmodell angeboten und ermöglichen so den Engadiner KMUs, topmoderne Technik zu nutzen, ohne sich selber um IT-Belange kümmern zu müssen. Um dem Projekt auch die nötige Sichtbarkeit zu geben, soll in den nächsten Jahren ein neues «Innovationszentrum» gebaut werden, welches als Zentrumsgebäude für den Innovations-Campus dienen wird. In La Punt Chamues-ch ist Mia Engiadina zusammen mit der Gemeinde und mit verschiedenen privaten Partnern daran, das Konzept für dieses Leuchtturmprojekt, welches unter dem Namen «InnHub La Punt»
gestartet wurde, zu erarbeiten.

Virtueller Marktplatz

Dank einer modernen IT-Plattform sollen alle interessierten Anbieter aus der Region, wie aber auch von ausserhalb, ihre Dienste und Produkte über einen virtuellen Marktplatz vorstellen können. Über eine intuitive App können interessierte Nutzer einfach an interessante Informationen aus der Region gelangen und können im gleichen Tool reservieren, buchen und abrechnen. So können die Gemeinden ihre Bürger über wichtige Neuigkeiten auf dem Laufenden halten, lokale Organisationen über die aktuellen Events oder Hotels und Läden auf ihre Angebote aufmerksam machen. Damit werden Übernachtungsmöglichkeiten, Tickets für Skigebiete, aber auch Hausliefer- oder Concierge-Dienste, Kleiderreinigungs- und viele andere Services auf Knopfdruck abrufbar und vereinfachen das Leben des Anbieters wie auch des Kunden. Auch potenzieller Kunden aus anderen Gegenden dieser Welt: Damit können Gäste, die nur wenige Wochen im Engadin sind, auch von ihren Wohnorten aus auf die Dienste zugreifen und von der Mehrheit der Dienste profitieren.

«Mia Engiadina» als Marke

Das Konzept steht und fällt mit der Nutzung der Angebote, welche auf dem Marktplatz präsentiert werden. Darum wurde die Marke «Mia Engiadina» geschaffen, welche helfen soll, die Attraktivität des Marktplatzes kontinuierlich zu steigern. Durch die Erweiterung des Angebots wie auch durch die Akquisition von Neukunden kann dieses Ziel erreicht werden. Bereits in der Konzeptphase beteiligen sich über dreissig Partner am Innovationsprozess, um Dienste für den virtuellen Marktplatz zu kreieren. Weiter können bestehende Dienste von anderen Regionen übernommen und auch im Engadin genutzt werden. Nicht zuletzt spielt die Solidarität eine grosse Rolle. Das Projekt will die Region stärken und als Wohn- wie auch als Ferienort attraktiver machen. Je mehr Einheimische und Teilzeitengadiner sich am Projekt beteiligen und als Kunden oder Anbieter auf den virtuellen Marktplatz kommen, desto erfolgreicher und interessanter wird es für alle!

Autor: Jon Erni
Quelle: Montagna