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Swisscom sorgt bei Gemeinden für Ärger

Die Swisscom bewegt sich nur, wenn sie muss

Beispiel Pontresina: Pontresina möchte den Anschluss nicht verpassen. Darum bemüht sich die Bündner Ortschaft um ein Glasfasernetz. «Breitbandinternet ist für eine kleine Gemeinde vielleicht noch nicht so wichtig wie eine Poststelle oder ein Bahnhof. Aber die Bedeutung nimmt rasch zu», so Gemeindeschreiber Urs Dubs. 2015 nahm das Dorf Gespräche mit der Swisscom auf, brach diese dann aber wieder ab. Swisscom wollte nur Liegenschaften mit einer Mindestzahl von Wohnungen erschliessen. «Und die finanzielle Beteiligung, die wir als Gemeinde hätten leisten müssen, war uns zu hoch», so Dubs. Pontresina hat danach mit Konkurrentin UPC Kontakt aufgenommen.
Diesmal klappte es. Es kam zu einer Vereinbarung, wonach die Firma flächendeckend alle Häuser, Wohnungen und Geschäfte mit Glasfasern versorgen wird – wenn die Eigentümer das wollen.
Die Erschliessung erfolgt dieses und nächstes Jahr. Die Gemeinde Pontresina investiert 2 Mio. Fr. und wird ein paar fehlende Rohranlagen bauen, während UPC die Glasfasern und die Netzwerktechnologie beisteuert. So weit, so gut. Doch nun will Swisscom das Feld nicht einfach dem Konkurrenten überlassen. Im Frühling 2018 kündigte der Konzern plötzlich an, Pontresina mit Breitbandinternet anschliessen zu wollen. So werden in einer Gemeinde mit etwas mehr als 2000 Einwohnern nun zwei Glasfasernetze verbaut.

Beispiel Dietlikon (ZH): Zu solchen absurden Situationen kommt es immer wieder. Zum Beispiel auch in Dietlikon. «Wir bauten nach gescheiterten Verhandlungen mit der Swisscom dank einem Urnenkredit ab 2010 ein eigenes Glasfasernetz», sagt Gemeinderätin Cristina Wyss-Cortellini, ehemalige Referentin an einer openaxs Conference. So wurden bis Ende 2014 flächendeckend knapp 3900 Wohnungen und etliche Unternehmen erschlossen. «2012 wollte Swisscom ein paralleles Netz bauen, was wir als volkswirtschaftlich unsinnig erachteten. Der Gemeinderat verweigerte dem Telekomanbieter die Bewilligung, die Strasse aufzureissen», so Wyss. Nach langen Verhandlungen konnte Dietlikon 2014 mit der Swisscom einen Vertrag unterschreiben für einen gegenüber anderen Anbietern diskriminierungsfreien Zugang zum gemeindeeigenen Glasfasernetz, wie ihn openaxs propagiert. Das sei eine Win-win-Situation, so Wyss.

Beispiel Eschlikon (TG): Auch in Eschlikon ist man enttäuscht über die Ex-Monopolistin. Ein Abkommen mit der Swisscom war unterschriftsreif. Doch dann habe die Firma einen Strategiewechsel vollzogen. «Mit dem Resultat, dass der finanzielle Beitrag, den Swisscom zu leisten bereit war, plötzlich nicht einmal mehr die Kosten gedeckt hätte, die ihre eigenen Anforderungen an das Netz verursacht hätten», sagt Gemeindepräsident Mäder.
Eschlikon hat die leistungsfähigste Variante gewählt, mit vier oder zwei Glasfasern bis in die Wohnungen. Trotzdem habe man bereits die Gewinnschwelle erreicht. «Ich bin überzeugt, dass schnelles Internet für unsere Einwohner einmal so wichtig werden wird wie Strassen und Wasser», so Mäder. Aber Eschlikon habe auch die Erfahrung gemacht, dass sich die Swisscom nur bewege, wenn sie müsse.
Als Plattform für Verträge mit Providern und für den Einkauf der Dienstleistung eines Layers 2 hat die Gemeinde Eschlikon gemeinsam mit anderen Werken die Thurfibre AG gegründet. Der Layer 2 wurde über ein Vertragsverhältnis an die Energie des Kantons Thurgau (ETK) ausgelagert.

Keine Einzelfälle: openaxs weiss von weiteren Gemeinden, die ebenfalls solche Beschwerden äussern. Laut Swisscom-Sprecher Schädeli werden die Netze von jährlich rund 300 Gemeinden ausgebaut. Dies, um bis Ende 2021 das Breitband-Festnetz jeder Gemeinde zu modernisieren: das erklärte Ziel der Firma.
Doch meist gibt es die Zukunftsvariante mit Geschwindigkeiten von 1000 Mbit/s nur, wenn eine Gemeinde Geld zuschiesst. In der Bauzone würden künftig mindestens 80 Mbit/s erreicht, so Schädeli. Das ist ein Bruchteil des technisch Möglichen. Allerdings wird in der Grundversorgungskonzession nur eine Geschwindigkeit von 3 Mbit/s verlangt, was aus Sicht von openaxs ebenso ein Ärgernis ist wie die Netzbaupolitik von Swissom.

Quelle: «NZZ am Sonntag»