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«Die Vermarktung ist sehr anspruchsvoll»

Peter Stäger, Bereichsleiter Telekom der Sankt Galler Stadtwerke (sgsw) und Vorstandsmitglied von openaxs, über den Bauplan, die Zusammenarbeit mit der Swisscom und die Bedeutung von openaxs im Glasfasermarkt Schweiz.

Herr Stäger, warum engagiert sich sgsw als Energieversorger im Telekommarkt?
Peter Stäger: Die Stadt St. Gallen und die sgsw sind überzeugt davon, dass Glasfasernetze zukünftig ein entscheidender Faktor für die Wirtschaftsentwicklung und die Standortattraktivität für Haushalte und Firmen sein werden. Schnelle Internetverbindungen und digitales Fernsehen werden immer mehr zu einem Grundbedürfnis und der Bau der dafür nötigen Infrastruktur passt deshalb sehr gut zu den sgsw. Wir liefern den Kunden bereits Strom, Wasser, Gas und Fernwärme und betreiben entsprechende Netze. Ein flächendeckendes, auf Glasfasern basierendes Kommunikationsnetz wird zukünftig auch eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von St. Gallen in eine „Smart City“ übernehmen.

Wie sieht der Bauplan aus? Bis wann wollen Sie wie viele Haushalte und Geschäfte ans Glasfasernetz bringen?
Stäger: Per März 2014 haben wir rund 21'000 Wohn- und Geschäftseinheiten direkt mit Glasfasern erschlossen und damit rund 50% des Gesamtnetzes fertiggestellt. Die Fertigstellung des Netzes ist bis 2019 geplant.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Swisscom?
Stäger: Die Zusammenarbeit ist auf allen Stufen ausgezeichnet, die sehr komplexen Prozesse werden unterdessen äusserst effizient abgewickelt. Auch die Situation, dass wir beim Bau des Glasfasernetzes zusammenarbeiten, bei der Vermarktung der Dienstangebote aber klare Konkurrenten sind, hat bisher noch nie zu Problemen geführt. Beide Seiten können das sehr gut trennen.

Kritische Stimmen sagen, dass vom Kooperationsvertrag zwischen Swisscom und den Stadtwerken vor allem der Swisscom profitiere. Für die Stadtwerke hingegen lohne sich das Glasfasergeschäft jedoch nicht. Ihre Entgegnung?
Stäger: Der Kooperationsvertrag war das Ergebnis langer, intensiver Verhandlungen mit einem für beide Seiten attraktiven Verhandlungsergebnis. Wir hätten sicher niemals unterschrieben, wenn der Vertrag ausschliesslich Swisscom Vorteile bringen würde! Die sgsw haben das Glasfasernetz von Anfang an nicht als Investitionsprojekt gesehen, bei welchem innert weniger Jahre finanzieller Gewinn realisiert werden kann. Es ist ein Infrastrukturprojekt, dessen langfristiger Nutzen über den Horizont vieler selbsternannten „Experten“ in diesem Thema geht.

sgsw ist Kooperationspartner in der Swiss Fibre Net AG (SFN), welche aus dem Verband openaxs hervorgegangen ist. Aus welchen Überlegungen?
Stäger: Es war von Anfang an klar, dass es für grosse nationale Dienstanbieter nicht interessant sein wird, mit jedem EVU einen separaten Nutzungsvertrag für das Glasfasernetz abzuschliessen und ihre Dienstleistungen überall lokal einzuspeisen. SFN übernimmt für uns mit Kundenbetreuung, technischer Anbindung und Rechnungsstellung alle wichtigen Aufgaben gegenüber den nationalen Dienstanbietern im Sinne eines effizienten „One-Stop-Shopping“. Die Zusammenarbeit mit SFN generiert nicht nur mehr Umsatz für uns, sondern SFN hilft den angeschlossenen EVU auch, gemeinsam Kosten zu sparen, z.B. durch die Bündelung von Einkaufsvolumen.

Welches sind aus Ihrer Sicht die zentralen Erfolgsfaktoren für städtische Energieversorger im Glasfasergeschäft?
Stäger: In einem ersten Schritt ist der zentrale Erfolgsfaktor die Entwicklung effizienter Prozesse für den Bau des Glasfasernetzes. Dann geht es natürlich sehr schnell darum, Kunden auf das Glasfasernetz zu bringen. Eine erfolgreiche Vermarktung ist sehr anspruchsvoll, weil wir uns zum einen in einem Verdrängungsmarkt bewegen und als Grossanbieter nur einen indirekten Zugang zu den Kunden haben. Aus meiner Sicht müssen wir aktive und attraktive Dienstanbieter auf dem Netz haben, diese mit unserem guten Namen unterstützen und dabei selber immer ein offenes Ohr für den Kunden und seine Bedürfnisse haben.

sgsw ist ein sehr engagiertes Vorstandsmitglied von openaxs. Welche Bedeutung hat der Verband für Sie?
Stäger: Trotz der Gründung und Operationalisierung von SFN bleibt der Verband openaxs eine treibende Kraft im Thema „Glasfasernetze“ in der Schweiz. Der Verband verfolgt weiter das Ziel, mit Lobbying und Aktivitäten auf politischer Ebene sicherzustellen, dass es in der Schweiz eine flächendeckende Glasfaser-Infrastruktur gibt. Wichtig ist für openaxs ein echter, diskriminierungsfreier Wettbewerb, in dem die Kunden ihren Dienstanbieter frei wählen können. Um dieses Ziel zu erreichen, engagiert sich openaxs gegenüber Politik oder Behörden für die aus unserer Sicht nötigen Rahmenbedingungen. openaxs vertritt die sgsw in all diesen wichtigen Themen und gibt uns als Energieversorger eine Stimme in der Politik und Öffentlichkeit, obwohl wir nur mittlerer Grösse und letztlich ein kleiner Akteur im Glasfasermarkt sind.

Im Energiebereich spricht man von der Vision 2050. Welche Vision 2050 haben Sie für den Telekom-Bereich?
Stäger: Ich bin überzeugt davon, dass Glasfasernetze im Jahre 2050 eine wichtige, nicht mehr wegzudenkende Infrastruktur sein werden, wie es heute die Kupfer- und Koaxialkabelnetze sind. Sie werden einen entscheidenden Beitrag zur Erhaltung der Attraktivität der Schweiz als Wirtschaftsstandort und städtischen Lebensraum leisten. Die Initiative vieler Energieversorger zum Bau der Glasfasernetze wird rückblickend als Pioniertat angesehen werden – und entsprechend gewürdigt.