Warum die Gemeinde Dietlikon das Glasfasernetz auf eigene Faust günstig bauen kann, erläutert an der FTTH Conference Cristina Wyss-Cortellini, die zuständige Gemeinderätin. Sie beschreibt die Initialzündung sowie das heutige Angebot und berichtet von Überraschungen, die sie im Glasfaserprojekt erlebt hat.
Welches war die Initialzündung fürs Glasfasernetz in Dietlikon?
Cristina Wyss-Cortellini: 2008 stand fest, dass wir unser bestehendes Hybrid-Fiber-Coax-Netz (HFC) erneuern müssen. Zudem wollten wir auch unsere Energieversorgung für die Zukunft rüsten. Für uns war damals klar, dass wir bei dieser Gelegenheit eine Investition tätigen wollen, die langfristig die Bedürfnisse unserer Unternehmen und Bewohner erfüllt. Und das schafft nur eine Technologie: die Glasfaser.
Weshalb braucht die Gemeinde Dietlikon ein eigenes Glasfasernetz?
Wyss-Cortellini: Auch aus volkswirtschaftlicher und betriebsökonomischer Sicht ist es sinnvoll, wenn sich das Netz im Besitz der öffentlichen Hand (und damit der Bevölkerung) befindet. Die volkswirtschaftlich optimale Lösung besteht darin, das zu trennen, was zwei ganz verschiedene Dinge sind: das Netz und das Anbieten von Dienstleistungen. Denn das Netz ist ein natürliches Monopol. Gemäss ökonomischer Theorie ist es volkswirtschaftlich sinnvoll, wenn Netze der öffentlichen Hand gehören. So wird es ja auch im Strommarkt und beim Schienennetz praktiziert. Die Glasfaser-Infrastruktur soll einer unabhängigen Netzgesellschaft gehören, beispielsweise den Energieversorgern. Gleichzeitig können Synergien über die Telekommunikation hinaus, beispielsweise zu Energiezwecken, effizient genutzt werden. Die attraktiven und hochwertigen Angebote der Provider auf dem Dietliker Glasfasernetz beweisen, dass ein offenes Netz letzten Endes Qualität, Innovation und Leistungsfähigkeit zu einem günstigen Preis ermöglicht.
Weshalb sind die Angebote auf dem Dietliker Glasfasernetz so günstig?
Wyss-Cortellini: Die Gemeinde versteht sich als „Infrastruktur-Dienstleister“ zum Wohle der Dietliker Bevölkerung und Unternehmen. Wir verfügen über sehr gute Rohranlagen, in welche die Glasfasern praktisch ohne Grabarbeiten eingezogen werden konnten. Dadurch haben wir das Glasfasernetz sehr rasch und kostengünstig ausgebaut. Wesentlich ist auch, dass eine Gemeinde nur in beschränktem Mass einen Gewinn erwirtschaften darf und dieser den Kunden zu Gute kommen muss. Ausserdem ist die Gemeinde nicht gleichzeitig Infrastruktur- und Dienstanbieter. Ihr Interesse liegt in der generellen Nutzung des Netzes. Die Gemeinde Dietlikon stellt die Glasfasern den Providern zu günstigen Mietkonditionen auf Layer-1-Basis zur Verfügung. Das bedeutet: Wir schränken die Bandbreiten nicht ein.
Wie sieht das Netzangebot heute aus?
Wyss-Cortellini: Elf Dienstanbieter sind bereits auf unserem Netz, der Wettbewerb spielt. Und ein zwölfter soll demnächst hinzukommen. Mit der Swisscom haben wir im Februar dieses Jahres eine Absichtserklärung unterzeichnet. Bald werden somit auch die Swisscom-Angebote in Dietlikon erhältlich sein. Die Gemeinde konzentriert sich auf die Infrastruktur, auf Ebene der Dienste soll der freie Wettbewerb spielen. Auf unserem Glasfaser-Netz sind unzählige Angebote erhältlich. Unter anderem sogar ein reines TV-Angebot für 17 Franken und 20 Rappen pro Monat, welches 178 TV-Programme, davon 33 in HD-Qualität, und eine Vielfalt von Radioprogrammen umfasst. Der Konsument kann auch andere Angebote mit einem noch grösseren Umfang an TV-Programmen und Zusatzpaketen abonnieren, beispielweise aus der Teleclub-Palette. Das günstigste Triple-Abo (TV, Internet und Telefonie) ist ab 59 Franken pro Monat erhältlich und bietet bereits ein superschnelles Internet mit einer symmetrischen Geschwindigkeit von 10 Megabits pro Sekunde. Das Triple-Abo mit symmetrischen 100 Megabits ist für 99 Franken zu haben. Der Kunde ist bei uns König und er kann aus vielen Kombi-Möglichkeiten mit verschiedenen Bandbreiten und TV-Programmen auswählen, um seinen persönlichen Bedarf abzudecken.
Welche Überraschungen erlebten Sie im Glasfaserbau?
Wyss-Cortellini: Einige. Zum Beispiel haben wir angenommen, es seien vor allem die jüngeren Einwohnerinnen und Einwohner, die als erste aufs Glasfasernetz umsteigen würden. Deshalb haben wir mit der Erschliessung in Mehrfamilienhäusern begonnen, in denen die Bewohner eher jung sind. Doch wir haben uns getäuscht: Vor allem Senioren wollten vom superschnellen Glasfasernetz profitieren – iPad und SmartTV sei Dank. In den Einfamilienhausquartieren setzte ein Dominoeffekt ein. Ein Haushalt nach dem anderen wollte so schnell wie möglich ans neue Netz. Und so entstand eine lange Warteliste.
Hat sich dadurch das Glasfaserprojekt verändert?
Wyss-Cortellini: Es hat sich vor allem beschleunigt – und zwar deutlich. Anfänglich sprach sich das Stimmvolk mit grosser Mehrheit für eine Vorlage aus, welche in einer zehnjährigen Frist die Ablösung des alten HFC-Netzes durchs Glasfasernetz vorsah. Jetzt hat es sich dafür ausgesprochen, dass das alte Netz bis zum Jahr 2015 abgelöst sein soll. Das heisst, das Glasfasernetz muss in den nächsten zwei Jahren fertig erstellt werden.
Welche Rolle spielen aus Ihrer Sicht Energieversorger für die ländliche Glasfasererschliessung?
Wyss-Cortellini: Sie sind prädestiniert dafür! Sie kennen die örtlichen Gegebenheiten, die Netze, die Kunden. Sie können Synergien zwischen Telekom und Energie nutzen. Und sie selber sind keine Dienstanbieter. Dadurch sorgen sie für diskriminierungsfreie Spielregeln auf dem Glasfasernetz.
Vertreterinnen und Vertreter von Gemeinden oder Energieversorger, die sich über das Glasfasernetz in Dietlikon aus erster Hand informieren möchten, melden sich am besten per E-Mail bei: [email protected]
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