Konvergenz der Infrastrukturen
Smart City, die intelligente Vernetzung von Infrastrukturbereichen, ist in aller Munde. Zu Recht, wie die FTTH Conference zeigt, lassen sich doch durch eine solche Vernetzung erheblich Ressourcen einsparen und die volkswirtschaftliche Wertschöpfung erhöhen. Voraussetzung dafür: Eine grundlegende Infrastruktur, die eine solche Vernetzung erst möglich macht. Sprich: Glasfasernetze.
Der eine: Nico Grove, Leiter des Instituts für Infrastrukturökonomie & Management an der Bauhaus-Universität Weimar. Der andere: Paolo Sebben, Chair Smart Cities Group beim FTTH Council Europe und Mitgründer von openaxs.
Zwei Redner, ein Thema: Smart Cities. Gemäss Sebben eine Vision, die er wie folgt beschreibt: „Eine Smart City steigert die Effizienz, die Produktivität und das ökologische Bewusstsein, sie reduziert die Verschmutzung und führt zu höherer Lebensqualität in einer Welt, die von zunehmender urbaner Komplexität geprägt ist.“
Wie das? Das Schlüsselwort heisst Vernetzung. Sebben spricht von Infrastruktursilos, die aufgebrochen werden müssen, um die bisher isolierten Technologien in Austausch miteinander zu bringen. So hat Mobilität auch mit Energie zu tun. Ein Elektrofahrzeug, welches in der Garage steht, ist auch ein Energiespeicher, der von anderen angezapft werden kann wie ein Stausee. Falls die Infrastrukturnetze symmetrisch sind wie in der Glasfaser.
Vier Sektoren und ihre Entwicklungspotenziale
Grove beziffert vier Schlüsselsektoren, die für den Erfolg und Misserfolg künftiger Smart Cities entscheidend sein werden. Nebst Mobilität und Energie auch Gesundheit und das sogenannte E-Live: Die allgemeine Digitalisierung der Lebensbereiche des Menschen.
Vier Sektoren, die ebenso vor Entwicklungssprüngen wir vor riesigen Herausforderungen stehen: Der Anteil erneuerbarer Energien muss gemäss der Vision von Smart City ebenso steigen wie jener von Elektrofahrzeugen. Und deutlich steigen wird auch der Anteil älterer Menschen, was nach neuen Wegen in der Gesundheitsversorgung verlangt.
Ob diese Entwicklung stattfinden kann oder nicht, ist auch gemäss Grove entscheidend von der Telekominfrastruktur abhängig. Er und sein Forschungsteam haben Modellberechnungen für die Wertschöpfung in diesen vier Schlüsselsektoren gemacht. Heute beträgt sie in Deutschland noch 12.6 Milliarden Euro. Bei flächendeckender Vernetzung mit Glasfasern stiege sie bis ins Jahr 2020 auf 156 Milliarden Euro – mehr als um Faktor zehn in nur sieben Jahren. Liegt die Glasfasererschliessung in Deutschland im Jahr 2020 jedoch nur bei 50%, bricht die Wertschöpfung in diesen vier Schlüsselsektoren auf rund 39 Milliarden ein – nur rund das Dreifache von heute.
Ganzheitliche Infrastruktur statt Insellösungen
Vor diesem Hintergrund mag Sebbens Fazit nicht erstaunen: „Städte und Regionen haben bezüglich ihrer Infrastrukturen bisher Insellösungen angestrebt: Hier einen Verkehrskreisel verbessert und dort ein Gesundheitssystem optimiert. In Zukunft werden nur noch jene Städte und Regionen florieren, die in Glasfasernetze als Schlüsseltechnologie investieren, also in ihr eigenes Nervensystem. Und auf dieser Grundlage versuchen, ihre Aufgaben ganzheitlich zu lösen, unter Nutzung digitaler Intelligenz- und Lernpotenziale.“ In der Praxis scheiterten Glasfaser- und Smart-City-Projekte aber immer noch daran, dass Entscheidungsträgern das Bewusstsein für diese Zusammenhänge fehle – zum Leidwesen der nachwachsenden Generationen.