Das Rezept: Solidarität und Kooperation
Das Oberwallis steht vor einer denkbar schwierigen Ausgangslage fürs Glasfasernetz: Gerade mal 80‘000 Einwohner insgesamt, verteilt auf nicht weniger als 68 Gemeinden. Roger Milchig, Geschäftsführer der Danet Oberwallis AG, erzählt, wie sich eine ganze Region selber geholfen hat.
Milchig macht sich keine Illusionen darüber, was das Glasfasernetz für Randregionen wie das Oberwallis bedeutet. „Im Berggebiet ist die Glasfaser kein Standortvorteil, es ist andersherum: Wenn man die Glasfaser nicht hat, wandern die Leute ab.“
Das Glasfasernetz ist essentiell für die Zukunft der Oberwalliser Gemeinden. Und das haben diese erkannt, als sie im letzten November die Datennetzgesellschaft DANET Oberwallis AG gründeten und ihre Ressourcen bündelten, um in ihrer wenig dicht besiedelten Region bis ins Jahr 2022 ein flächendeckendes Glasfasernetz zu bauen. Verbunden mit klaren Vorgaben: Das Netz soll für alle Provider flächendeckend und frei von Diskriminierungen sein, also den Wettbewerb fördern. Es soll ohne teure Parallelinvestitionen gebaut werden, also unter Einbezug aller wesentlichen Akteure. Und schliesslich soll der finanzielle Aufwand für die Gemeinden minimiert werden.
Kein einfaches Unterfangen für Milchig. Um es umzusetzen, setzte er auf zwei Faktoren. Erstens: die Kooperation. Im Oberwallis sind nicht Energieversorger Vertragspartner der Swisscom im Glasfaserbau, wie meist in den Städten, sondern die Danet als Zusammenschluss der Gemeinden. Damit die Danet mit der Swisscom überhaupt einen Vertrag abschliessen konnte, war sie ihrerseits gezwungen, Verträge mit den gemeindenahen Energieversorgern abzuschliessen. Und schliesslich holte sie mit der Valaiscom einen Servivceprovider an Bord, um frühzeitig sicherzustellen, dass die Glasfasernetze dereinst auch betrieben werden können.
Der zweite Faktor: die Solidarität. Auch wenn das Oberwallis in der Tendenz schwach besiedelt ist, sind die regionalen Unterschiede riesig. Zermatt spielt in einer anderen Liga als Simplon Dorf und hat ein viel grösseres Potenzial an Endkunden. Danet rechnet in sogenannten „Zentrumsgemeinden“ mit Erschliessungskosten von gut 2‘000 Franken pro Nutzungseinheit, in den Randgebieten aber mit Kosten bis zu 6‘000 Franken und mehr pro Nutzungseinheit.
Die solidarische Lösung: Für alle Nutzungseinheiten gilt der Durchschnittspreis und der liegt im Oberwallis bei 400 Franken pro Kopf. Weil auch das noch ein beträchtlicher Betrag ist für eine kleine Gemeinde, wurde dieser Betrag in einen Erschliessungsbeitrag von 350 Franken und in einen Sockelbeitrag von 50 Franken pro Kopf aufgeteilt. Der Sockelbeitrag wurde mit der Gründung der Danet AG fällig, zur Anhäufung des Aktienkapitals. Der Erschliessungsbeitrag wird aber erst dann fällig, wenn in einer Gemeinde die konkrete Netzplanung beginnt, was in einigen Gemeinden noch ein paar Jahre dauern kann.
Inzwischen hat der Glasfaserbau begonnen. Danet baut in Gampel am Netz, Swisscom in Brig-Glis. Beide Partner bauen so, dass eine gegenseitige Nutzung möglich ist. Bis Ende Jahr sollen 3‘300 Nutzungseinheiten ans Netz angeschlossen sein, bis Ende 2015 mehr als 10‘000.