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Regionalwerke Baden lassen Private bauen

Der Wasser- und Energieversorger Regionalwerke AG Baden baut nicht selber ein Glasfasernetz, sondern stellt seine Rohre einem privaten Netzwerkunternehmen zur Verfügung, nachdem Gespräche mit der Swisscom im Sand verlaufen sind. Umliegende Gemeinden interessieren sich für das Badener Modell.

Baden wird ab 2017 und Ennetbaden ab 2018 mit einem schnellen und flächendeckenden Glasfasernetz erschlossen sein. Das Geschäft mit der Datenautobahn ist kostspielig und erst nach Jahrzehnten rentabel. Für Johann Widmer, Verwaltungsratspräsident der Baden Fibre Networks AG (BAFN), war von Anfang klar: «Schnelles Geld macht man mit dem Aufbau eines Glasfasernetzes nicht. Wir investieren einen zweistelligen Millionenbetrag. Uns ist wichtig, dass wir ein gutes und schnelles Telekom-Netz für die Bevölkerung bauen können.» Das Geschäftsmodell von BAFN sieht vor, dass die Glasfasern an Provider vermietet werden. Diese wiederum bieten Internet, TV und Telefon teilweise günstiger an als etwa Swisscom oder UPC Cablecom.
Die nur wenige Millimeter dünnen Glasfasern werden in den Rohren der Regionalwerke AG Baden (RWB) verlegt. Weil der Aufbau eines solchen Netzes nicht zur Kernkompetenz eines Stadtwerkes gehört, hat sich die RWB dazu entschieden, den Bau der privaten BAFN zu übertragen. Im Kappelerhof gibt es bereits heute 700 Anschlüsse. Andere Badener Quartiere wie Industrie, City, Allmend oder Meierhof bekommen noch in diesem Jahr ein Glasfasernetz. «Bis heute haben wir in Baden und Ennetbaden etwa 4‘000 Liegenschaftsbesitzer angeschrieben. Die Rücklaufquote der unterschriebenen Verträge liegt bei über 90 Prozent», freut sich Widmer.

Auch mit kleinen Providern profitabel
Ob ein grösserer Telekom-Player dereinst auch über das Netz von BAFN verfügbar ist, will Widmer vorerst nicht sagen. Man sei aber in Gesprächen. Klar ist: Swisscom beschränkt sich hauptsächlich auf die Zusammenarbeit mit grossen Städten, weil dort mehr Anschlüsse auf kleinerem Raum möglich sind. In ländlichen Regionen – und dazu zählt auch Baden/Ennetbaden mit 21‘000 Bewohnern – wird der blaue Riese selber aktiv. «Unsere Produkte werden auf dem Netzwerk der BAFN nicht verfügbar sein. Swisscom modernisiert in Baden und Ennetbaden ihr eigenes Netz mit den Glasfasertechnologien», bestätigt Swisscom-Sprecher Armin Schädeli.
Mit der RWB stand Swisscom vor einigen Jahren auch in Kontakt: «Wir haben mit Swisscom Gespräche geführt. Mangels Interesse sind die Gespräche im Sand verlaufen», sagt RWB-Geschäftsführer Christoph Umbricht.
Recherchen zeigen, dass Baden diesbezüglich kein Einzelfall ist: «Ich bin nicht überrascht, dass Swisscom das Feld im Bereich Glasfasern nicht kampflos einem Privaten überlässt», sagt Samuel Rutz von Avenir Suisse. In Chiasso, wo die Holding der BAFN auch ein Glasfasernetz gebaut hat, war die Situation ähnlich. Widmer ist aber überzeugt, dass das Glasfasernetz der BAFN auch mit kleineren und mittleren Providern rentabel sein kann.

Weitere Gemeinden interessiert
Die BAFN hat auch ohne den blauen Telekom-Riesen das Interesse anderer Gemeinden geweckt: «Wir haben bereits von vielen Gemeinden in der Region Anfragen bekommen», sagt Widmer. Bevor aber diese Gemeinden in den Genuss eines modernen Glasfasernetzes kommen, muss die BAFN die Leitungen der dortigen Stadtwerke prüfen. Auch wenn Glasfasern fast wartungsfrei sind, müssen die Rohre in gutem Zustand sein.

Quelle: Aargauer Zeitung