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Infrastruktur: Europa verliert den Anschluss

Das halb volle Glas: Blickt man nur auf Europa, steht die Schweiz punkto Glasfasererschliessung gut da. Darauf wies an der Conference etwa Viola Amherd hin, Verwaltungsratspräsidentin der Danet AG und CVP-Nationalrätin. Ob bei der Breitband-Abdeckung oder bei der durchschnittlichen Surfgeschwindigkeit: Die Schweiz nimmt Spitzenplätze ein.

Das halb leere Glas (I): Zukunftsforscher Bosshart hingegen relativiert diesen europäischen Vergleich. Er sagt: «Europa ist dominiert von der sogenannten ‹German Angst›. Der Kontinent geht nur sehr zögerlich voran. Länder wie China und Russland hingegen sind sich das Chaos gewohnt. Sie haben kaum Bedenken vor Veränderungen und haben erkannt, dass Infrastrukturen der entscheidende Machtfaktor sind.»
Bosshart verweist auf die chinesische Infrastruktur-Initiative «Belt and Road» (Band und Strasse), die China 2013 verabschiedet hat und seither mit grosser Konsequenz umsetzt. In dieser Initiative bündelt die Volksrepublik ihre Interessen zum Aufbau internationaler Handels- und Infrastrukturnetze zwischen China und insgesamt 64 Ländern Asiens, Afrikas und Europas.
Ein Vorbild der chinesischen Infrastrukturstrategie sieht Bosshart im Römischen Reich. «Schon die Römer haben erkannt, dass Infrastruktur der wichtigste Machtfaktor ist. Sie haben den ganzen Kontinent mit Strassen überzogen, die bis heute ein Machtfaktor geblieben sind.»

Das halb leere Glas (II): Ähnlich wie Bosshart argumentiert an der Conference auch Dr. Andreas Schönenberger, (Ex-)CEO von Salt. Er verweist auf asiatische Länder, aber auch auf baltische Länder wie Estland, wo es pro 1000 Einwohner fast doppelt so viele Breitband-Anschlüsse gibt wie in der Schweiz. Auch Schönenberger erkennt in der Genügsamkeit eine Gefahr für die Schweiz, im internationalen Wettbewerb zu verlieren. Denn für ihn ist klar: «Leistungsfähige Telekomnetze sind die Schlüssel-Infrastrukturen der Zukunft.»