openaxs - fiber connection for everyone

openaxs wünscht: Schöne Festtage!

Der Verband openaxs wünscht Ihnen schöne Festtage und ein gutes neues Jahr. «Save the date»: Die openaxs-Delegiertenversammlung findet am 28. März 2019 statt, die traditionelle openaxs FTTH Conference am 22. August 2019. Hier geht es zum Bericht der «ET Elektrotechnik» über die letztjährige Konferenz.

Eine Infrastruktur ist nur so wertvoll wie das, was man daraus macht, und sie ist technologisch dauernd im Wandel. Investitionen in Breitbandnetze sind jedoch langfristig zu betrachten, denn deren Lebensdauer beträgt mindestens 40 bis 50 Jahre. In solch langen Zeiträumen passiert vieles, und so fand die 8. openaxs FTTH Conference (Fibre to the Home) im World Nature Forum in Naters/Brig statt. An diesem symbolträchtigen Ort konnten die Kongressbesucher mit Blick auf die Gletscherschmelze darüber staunen, wie dramatisch sich unsere Welt verändert.

Digitaler Graben Stadt – Land
Ähnliches trifft auch auf die ICT-Branche im Allgemeinen oder die FTTH im Besonderen zu. Der Kanton Wallis hat sich schon früh für den Ausbau von Glasfasemetzen als wichtige Basis für die Digitalisierung entschieden. So schien das Kongressthema «Silicon Valais: Auch abseits der Zentren die Zukunft gewinnen» gar nicht weit hergeholt. In der Begrüssung durch Franz Stampfli (openaxs-Präsident) wurde der zunehmende digitale Graben zwischen Stadt und Land angesprochen. Zwar sind bereits rund 1,3 Mio. oder etwa 33% der Haushalte mit Glasfaserkabel versorgt, aber ausserhalb der Städte geht es nur langsam oder gar nicht voran, openaxs beobachtet dies mit grosser Sorge und appelliert an die Politik, hier unterstützend einzugreifen. Denn im Gegensatz zu anderen Ländern werden in der Schweiz die Telekommunikationsnetze von privaten Unternehmen gebaut, welche an FTTH auf dem Land praktisch kein Interesse haben. Dabei ist FTTH auf gleicher Stufe zu betrachten wie andere öffentliche Infrastrukturen wie Verkehrswege, Wasser oder Stromleitungen. Die Techniken von Swisscom (FTTS/FTTB) und der Kabelnetzbetreiber (DOCSIS) führen die Glasfasern lediglich ins Quartier und erfüllen die Anforderungen der Zukunft nicht. Zudem erlauben sie keinen diskriminierungsfreien Wettbewerb. Stampfli und die openaxs fordern daher weiterhin FTTH für alle. Ins gleiche Horn blies der Gastgeber Martin Nanzer, Geschäftsführer der DANET Oberwallis AG, der die 170 Zuhörer auf humorvolle Art begrüsste und mit den Besonderheiten des Wallis vertraut machte.
Viola Amherd, Verwaltungsratspräsidentin der DANET Oberwallis AG und seit 2005 CVP-Nationalrätin, berichtete in ihrer Grussbotschaft über die laufende Revision des Femmeldegesetzes (FMG). Diese wird voraussichtlich in der kommenden Herbstsession im Nationalrat beraten. Neben der Einführung der 5G-Technologie geht es primär um den freien Netzzugang auf Breitbandnetze. Heute unterliegen nur Kupfernetze der Regulierung, nicht jedoch Glasfasernetze. Amherd wies auf die führende Stellung der Schweiz bei den Breitbandnetzen, aber auch auf den stockenden Ausbau in ländlichen Regionen hin. Wie im Oberwallis oder im Engadin entstehen Breitbandnetze dort nur dank privater Initiativen. Gerade in Randregionen brauche es eine gehörige Portion Denkarbeit, Fantasie und Geschick, um sinnvolle Modelle für den Anschluss an die Datenautobahn zu entwickeln, so Amherd.

Keynote-Speaker Dr. David Bosshart, CEO des Gottlieb Duttweiler Instituts, erinnerte an das Römische Reich mit seinen gigantischen Infrastrukturen (Strassen, Wasserleitungen etc.). Noch mehr seien digitale Infrastrukturen für einen Staat überlebenswichtig. Für die Schweiz sieht er nur eine Chance, um die hohe Wertschöpfung zu erhalten: Nur wenn sie in der digitalen Welt ein optimales Ökosystem schafft, kann sie die besten Talente anlocken. Die ICT-Technologie steht dabei im Zentrum – was man auch in der Entwicklung Chinas erkenne. Die Schweiz ist zunehmend abhängig von globalen Entwicklungen, hat aber die zentrale Bedeutung des ICT-Marktes noch nicht ganz begriffen. Zuwarten gehe aber nicht, denn so verliere man schnell den Anschluss, so Bosshart. Eine gute Führung komplexer Projekte wie der Digitalisierung stehe dabei im Zentrum nach dem Motto «schneller regieren und smarter agieren». Dem steht unser Föderalismus entgegen.
Auf die Digitalisierung im Tourismus ging Benjamin Buhl, geschäftsführender Gesellschafter der netzvitamine GmbH, ein. Er sieht sich als Architekt digitaler Projekte und Prozesse im Tourismus mit dem Fokus auf eine zielorientierte Online-Kommunikation. Buhl berät seit 2012 das Amt für Wirtschaft und Tourismus Graubünden sowie «Graubünden Ferien» bei der Digitalisierung der bestehenden Vertriebslandschaft. In seinem Referat «Digitale Gelassenheit – zwischen Algorithmen und Menschlichkeit» brachte er es auf den Punkt: «Digitalisierung hat heute für viele Menschen einen schalen Beigeschmack. Wenn uns Technologie stresst, verwirrt oder verunsichert, dann läuft etwas falsch.» Buhl fordert deshalb für die Entwicklung der Glasfasernetze eine «emotionale Aufmerksamkeit», damit FTTH ein Erfolg wird.

Am Nachmittag wurden einige Beispiele erfolgreicher FTTH-Projekte im ländlichen Raum präsentiert. Jean-Michel Cina, Verwaltungsratspräsident SRG und ehemaliger Staatsrat des Kantons Wallis, gab Ratschläge, wie sein Heimatkanton die digitale Zukunft anpacken soll und welche Bedeutung insbesondere der Bildung und der Forschung zukommen. Kanton und Bund setzen dabei die Rahmenbedingungen, wobei das Wallis betreffend Digitalisierung bereits sehr positiv unterwegs sei. Leider wird dies in der «Usserschwiz» kaum wahrgenommen, wie Cina süffisant bemerkte. Während das Unterwallis beim Thema FTTH keine Unterstützung vom Regierungsrat anforderte, sah die Situation im Oberwallis anders aus. Dank der Kooperation zwischen DANET und Swisscom kommt der Ausbau aber auch dort voran. Cina sieht zudem Bedarf für kantonale Bürgschaften für DANET, um den FTTH-Ausbau abzusichern. Er stellte zudem die Initiative «Digital Valais Wallis» vor, die u.a. den Rückstand im Bereich E-Government aufholen und die Schulen vom Follower zum Pionier umgestalten will. Schweizweiten Handlungs- und Koordinationsbedarf sieht Cina im Bereich E-Voting und beim elektronischen Patientendossier.

Der Walliser Andy Abgottspon entwickelt seit über 15 Jahren Online-Plattformen, Apps, Games und High-End-Software für mehr als 100 Projekte. Nach dem Masterstudium in England und Erfahrungen im Silicon Valley gründete er 2016 die Firma Hazu (ausgesprochen «Hasu»), welche die Revolution der digitalen Kommunikation zum Ziel hat. Der Hobby-Helikopterpilot ist durchaus geerdet: Er sieht seine Rolle darin, frischen Wind zu bringen, so 2012 mit einem gestengesteuerten Videospiel. Es sei wichtig, sich seine kindliche Naivität zu erhalten, um nicht in eingefahrenen Denkweisen an neue Projekte heranzugehen. «Hazu» bedeutet auf Japanisch «so wie es sein sollte» und steht in der Software-Entwicklung für einen Paradigmawechsel. Laut dem Magazin «Bilan» ist Hazu eines der 50 innovativsten Start-ups (www.hazu.io).

Jon Erni, Mitinitiant und CEO mia Engiadina, führte aus, was ein Glasfasernetz dem Handel und Gewerbe des Unterengadins konkret bringt. Das Konzept steht und fällt mit der Nutzung der präsentierten Angebote. Die lokale Marke «mia Engiadina» steigert die Attraktivität des Engadins kontinuierlich und zieht immer mehr Partner an – sogar aus den Nachbarregionen Südtirol oder Vorarlberg. Bereits in der Konzeptphase beteiligten sich über 30 Partner am Innovationsprozess, um Dienste für den virtuellen Marktplatz zu kreieren. Dank der Digitalisierung gibt es keine Randregionen mehr – mia Engiadina vernetzt Menschen aus Liebe zum Engadin. Und dank der FTTH wird die Region wieder interessant für Unternehmen. Davon profitieren auch Gemeinden und Schulen.
Roger Haller, Leiter Telecom Energie Wasser Meilen AG (EWM), ist gebürtiger Meilener und Quereinsteiger in der Telekom-Branche. Er ist seit 2015 für die Vermarktung des lokalen FTTH-Netzes verantwortlich. Um möglichst viele Kunden auf die rund 7000 Glasfaseranschlüsse von Meilen und Herrliberg zu bringen, setzt Haller hauptsächlich auf eine lokal geprägte Vermarktung mit eigenen Produkten. Dies ermöglicht Privatkunden, Unternehmen und Organisationen die freie Wahl zwischen unterschiedlichen Anbietern. Das Open-Access-Modell garantiert einen funktionierenden Wettbewerb im Schweizer Telekom-Markt. Es erhöht somit die Standortattraktivität einzelner Gemeinden und stärkt den Wirtschaftsstandort Schweiz. Entsprechend gross ist der Mehrwert für alle Anspruchsgruppen – egal ob Geschäfts- oder Privatkunden, egal ob in den Städten oder abseits der grossen Zentren. Dies ist eine Gratwanderung, die einigen Mut voraussetzt und nur mit seriöser Vorbereitung zu meistern ist, denn mit den Grossen könne man sich nicht messen, bemerkte Haller sarkastisch. So mache es keinen Sinn, dasselbe zu offerieren wie die grossen Anbieter. Daher stehen bei EWM Services wie Teleboy, Wilmaa, Apple TV, Zattoo, Netflix und Spotify zur Auswahl. Um diese Dienste auf das EWM-Netz zu bringen, war teilweise einiger Aufwand nötig. Auch Perfektionismus sei nicht angebracht, denn lieber schnell mit fast fertigen Produkten auf den Markt kommen als zu spät, wenn bereits andere Anbieter da sind.

Martin Nanzer, Geschäftsführer DANET Oberwallis AG, erzählte vom Potenzial des Oberwalliser Glasfasernetzes. DANET arbeitet eng mit Partnern zusammen (z.B. Swisscom, Energieversorger). Es wird etappenweise ausgebaut, sodass FTTH nicht nur in Brig, Brigerbad oder Visp, sondern auch Oberwald und Eischoll verfügbar sei. So hat z.B. das Bergdorf Eischoll nicht nur seine Energieversorgung auf erneuerbare Energien umgestellt (Holzschnitzelanlage), sondern wurde auch mit Glasfasern erschlossen. Dadurch konnten in den ehemaligen Räumlichkeiten der Raiffeisenbank digitale Arbeitsplätze eingerichtet und vermietet werden. Nach einem packenden Bericht zur positiven Entwicklung Oberwalliser Schulen dank Glasfaseranschluss gab Nanzer zuletzt noch einen Ausblick auf die Zukunft. In Blatten wird die bekannte, aber in der Schweiz bisher noch nicht installierte Technik NG.PON mit Swisscom getestet (Next Generation Passive Optical Network). Hier wird auch die letzte Kupferstrecke durch gesplittete Glasfasern ersetzt.

Den Schlusspunkt des Tages setzte Andreas Schönenberger, inzwischen ehemaliger CEO von Salt. Er berichtete über «Salt Fiber», womit der Mobilfunkanbieter die etablierte Konkurrenz im Festnetzgeschäft herausfordert. Mit der Fiber Box bietet Salt als erster europäischer Provider einen Router an, der 10 Gbit/s erreicht. Diese Bandbreite wird symmetrisch, also in beiden Richtungen, zum Preis von knapp 50 CHF pro Monat geboten. Telefonie und Apple TV sind darin enthalten. Salt bringt das Produkt punktuell mit Partnern auf den Markt, investiert also nicht in Glasfaser-Infrastrukturen. Vielmehr nutzt Salt vorhandene FTTH-Anschlüsse, weshalb das Produkt nicht überall verfügbar ist.
Die Datenmenge in Schweizer Festnetzen verdoppelt sich etwa alle 12–15 Monate. Zu deren Bewältigung sind schnelle Internetanschlüsse ein Muss, am besten mit Glasfaserkabeln bis in alle Firmen und Haushalte auch in ländlichen Gemeinden, findet die openaxs. Leider gibt es in der Schweiz einen grossen Glasfasergraben, denn rund 70% der Haushalte haben nach Angaben der openaxs noch keinen Glasfaseranschluss. Darunter befinden sich durchaus auch Städte wie etwa Aarau, und auf dem Land dominieren alte Kupferleitungen, die durch neue Techniken nochmals «aufgepeppt» werden. Hier enden die Glasfasern von Swisscom und UPC Cablecom im Quartier. Jedoch gibt es Ausnahmen wie Ligerz, ein klassisches Weinbaudorf am Bielersee. Dort ärgerte sich der Netzwerktechniker Beat Fahrni seit Jahren darüber, dass es in der Schweiz viele Regionen gibt, die keine modernen Glasfaseranschlüsse bieten können und «Wüsten» seien, so Fahrni. Um Ligerz in eine Oase zu verwandeln und glasfasertechnisch zum Blühen zu bringen, investierte Beat Fahrni Zeit und eigenes Geld. Damit machte er ein eher verschlafen wirkendes Dorf bereit für die Zukunft. Auf pittoresken Gässchen gelangt der Besucher vom Bahnhof in die Rebberge. Die Bahnlinie erzeugt zwar etwas Lärm, führt in einem Betonschacht neben den Gleisen aber Glasfaserkabel nach Ligerz. Diese enden in einem kleinen, grauen Betonkasten gleich neben dem Bahnhof. Von dort aus führt UPC Cablecom ihre Verbindungen über bestehende, langsamere Koaxialkabel in die Häuser ihrer Kunden. Jedoch gelangen die Datenströme über diese Kabel keinesfalls in der nötigen Bandbreite und Geschwindigkeit in die Häuser. Beat Fahrni dachte darüber nach, wie er die Glasfaserleitungen zu den Häusern führen könnte. Zufällig erzählte ihm der innovative Bio-Winzer Bruno Martin von seinem Vorhaben, neben dem Dorf eine kleine Fernwärmezentrale zu errichten, die er mit Holzschnitzeln befeuern wollte. Für die Verteilung des warmen Wassers mussten natürlich Leitungen verlegt werden. Beat Fahrni hatte die Idee, in den nun etwas breiter auszuführenden Graben gleich noch ein zweites Leerrohr für Glasfaserkabel einzulegen. Vom bereits erwähnten Kasten am Bahnhof führt nun ein Glasfaserkabel einige 100 Meter weiter zu einem Gebäude, in dessen Keller sich Beat Fahrnis «Zentrale» befindet. Von hier aus werden die Daten für das regionale Glasfasernetz von Ligerz verteilt. Der bisher kleinste Provider der Schweiz bringt damit schnelle Internetanschlüsse über weitere Glasfaserkabel in den Rohren des Fernheizungsnetzes zu seinen Kunden – natürlich auch zu Winzer Bruno Martin, der sich nun über einen synchronen Internetanschluss mit 100 Mbit/s freuen kann. Beat Fahrni plant, jeden Monat zwei neue Kunden hinzuzugewinnen, die ihm eine einmalige Anschlussgebühr von 1000 Franken sowie 40 Franken pro Monat für einen schnellen Internetanschluss bezahlen. Mit diesem Geschäftsmodell hofft er, seine Vorinvestitionen innert weniger Jahre zu amortisieren. Dieses Beispiel zeigt, dass kleine Gemeinden ausserhalb der grossen Zentren keinesfalls in den Händen der grossen Provider liegen. Mit Eigeninitiative kann auch ein kleines Dorf den Anschluss herstellen, und dies nicht nur am Bahnhof...

Quelle: «ET Elektrotechnik», Rüdiger Sellin