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Salt-CEO: «Kriens und Luzern trennen Welten!»

openaxs setzt sich gemäss seiner Vision für ein diskriminierungsfreies Glasfasernetz ein. Und erhält an der openaxs FTTH Conference in Pascal Grieder einen prominenten Fürsprecher. Der Salt-CEO spricht Klartext anhand eines Preis-Leistungs-Vergleichs und nennt vier Lösungswege für einen besseren Wettbewerb.

Grieder beginnt sein Referat an der openaxs FTTH Conference mit dem Preis- und Leistungsvergleich anhand von Internet, TV und Telefonie.

  • In Kriens kostet das monatliche Abonnement CHF 120 pro Monat, die maximale Internetgeschwindigkeit beträgt 200 Megabyte pro Sekunde.
  • In Luzern kostet das monatliche Abonnement CHF 39.65 pro Monat, die maximale Internetgeschwindigkeit beträgt 10’000 Megabyte pro Sekunde.

«In Kriens zahle ich dreimal mehr, um eine fünfzigfach schlechtere Internetleistung zu bekommen», bilanziert Grieder. «Wie ist das möglich?»
Die Antwort gibt Grieder gleich selber: «In Luzern spielt im 4-Faser-Modell der freie Wettbewerb, weil nebst Swisscom auch das ewl Zugang zum Glasfasernetz bietet. Als Provider kann Salt mit beiden Baukooperationspartnern verhandeln. In Kriens hingegen gibt es keinen Wettbewerb. Gehe ich zu Swisscom, sind die Verhandlungen nach 10 Sekunden zu Ende. Ich kriege die Preisliste.»
«Vogel friss oder stirb», lautet das Sprichwort dafür.

Ursachen für das Marktversagen
In der Folge zeigt Grieder an der openaxs FTTH Conference die Ursachen für das Marktversagen.
Grieder erwähnt erstens die dominante Marktstellung von Swisscom als ehemalige Monopolistin, die gegenüber der Konkurrenz wie Salt aufgrund ihres grossen Marktanteils immer im Kostenvorteil sei. Zweitens erwähnt er die verfehlte Marktregulierung: Weil Swisscom auf dem Kupfernetz die Preise diktieren kann, sei sie gar nicht interessiert daran, Glasfaser bis in die Wohnungen zu ziehen. Denn wenn die Swisscom hineingehe mit der Glasfaser, habe sie mehr Wettbewerb.
«Ich verstehe die Swisscom», sagt Grieder. «Sie will die Gewinne optimieren.» Volkswirtschaftlich sei der Schaden aber enorm. «Es werden fast keine echten Glasfasernetze mehr gebaut in der Schweiz. In der Abdeckung liegen wir inzwischen sogar hinter Portugal und Rumänien zurück.»

FTTH-Abdeckung der Schweiz, im Vergleich zu anderen Ländern (in Prozent)

Statistik

Was tun?
Grieder sieht vier mögliche Lösungswege.

  • Er schätzt ein, dass es frühestens in drei bis fünf Jahren wieder möglich sein werde, die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu verbessern und eine technologieneutrale Netz-Regulierung zu schaffen. Das Eidgenössische Parlament hat es im letzten Jahr versäumt, im neuen Fernmeldegesetz (FMG) wettbewerbsfreundliche Spielregeln zu schaffen.
  • Eine zweite Möglichkeit sieht Grieder in der Regulierung von Kabelkanalisationen für den FTTH-Ausbau. «Es gibt viele leere Rohre im Boden. Es wäre gut, wenn man sie kostenlos brauchen könnte, um eine volkswirtschaftlich relevante Infrastruktur zu bauen.»
  • Grieders dritter Lösungsansatz: Politischen, gesellschaftlichen und medialen Druck auf die Swisscom aufbauen, damit sie wieder zum ursprünglich vom Staat gewollten 4-Faser-Modell zurückkehrt – wie es sich in Städten wie Luzern bewährt.
  • Viertens nennt Grieder das vorbildliche Solidaritätsmodell aus dem Oberwallis, wo dicht besiedelte Gemeinden weniger dicht besiedelte Gemeinden darin unterstützen, FTTH-Netze zu bauen. Er ruft die Politik dazu auf, Investitionen nach dem Solidaritätsprinzip zu ermöglichen für moderne Anschlüsse in allen Regionen.