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«Kampf um Talente» erfasst den Thurgau

Dem Kanton Thurgau gehen die Akademiker aus. Unternehmen ziehen weg, weil sie keine Informatiker finden. Was tun? Behörden und Wirtschaftsorganisationen suchen nach Antworten.

«A Smart Country. Auch abseits der Zentren die Zukunft gewinnen», lautet der Titel der openaxs FTTH Conference – und meint damit besonders den Kanton Thurgau. Vor dem «War for Talents» warnte Keynote-Speaker und Zukunftsforscher Lars Thomsen – und könnte damit ebenfalls den Kanton Thurgau gemeint haben.
Wer fürs Studium aus dem Kanton wegzieht, kehrt selten zurück. Der Kanton hat unter den Verantwortlichen von Startups in Zürich und Winterthur nachgefragt, welche Anforderungen sie an ihren Firmenstandort stellen. Resultat: Nebst günstiger Raummiete wird ein Umfeld von Gleichgesinnten sowie die Nähe zu Hochschulen mit technologienahen Disziplinen gewünscht.

Gesucht: Software-Entwickler und E-Commerce-Profis
Im Thurgau gibt es kaum Hochschulen oder Startups. Im kantonalen Standortranking liegt der Thurgau zwar auf Platz 10, hat aber eine grosse Schwäche: Die Innovationsfähigkeit.
«Der Ostschweiz fehlen die akademischen Zukunftsberufe», stellt Christian Neuweiler fest, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Thurgau. Ifolor mit Sitz in Kreuzlingen habe kürzlich aufgrund des Informatiker-Mangels in der Region seine Abteilung nach Zürich verlegt. «Ich suche Software-Entwickler und E-Commerce-Profis. Die kommen nicht nach Kreuzlingen zum Arbeiten», begründete CEO Filip Schwarz den Wegzug.
«Dagegen wollen wir etwas unternehmen», sagt IHK-Mann Neuweiler.

Exzellenz jenseits der Landesgrenze
Die Industrie- und Handelskammer plant deshalb zusammen mit Smarter Thurgau den «Digital Campus Thurgau». Als Hauptsitz des Campus soll die Pädagogische Hochschule in Kreuzlingen dienen. Doch soll der Campus nicht auf den Standort Thurgau beschränkt bleiben, sondern wesentliche Angebote an die Hochschulen in Konstanz (D) delegieren, wo sich eine vom Bund ausgezeichnete Exzellenzuniversität befindet, unmittelbar in der Nähe von Kreuzlingen gelegen. «Wir schaffen ein kantonsübergreifendes Ökosystem, welches auf pädagogischen und digitalen Kompetenzen aufbaut und Wirtschaft und Wissenschaft verbindet.» Dies mit der Hoffnung, dass sich rund um den digitalen Campus auch Jungunternehmen ansiedeln, weil sie dort ein anregendes Umfeld finden.